Forward-Darlehen nur im Einzelfall interessant

Die Zinsen für Baudarlehen sinken auf ein sehr niedriges Niveau: Die Bestkondition für eine Immobilienfinanzierung mit 10-jähriger Zinssicherung liegt bei einigen Banken aktuell bei rund 0,4 Prozent

Baudarlehen extrem günstig, Forward-Darlehen kaum nachgefragt

Die Zinsen für Baudarlehen sinken auf ein sehr niedriges Niveau: Die Bestkondition für eine Immobilienfinanzierung mit 10-jähriger Zinssicherung liegt bei einigen Banken aktuell bei rund 0,4 Prozent Diese Tendenz zeigt sich auch in der Standardrate für eine Musterfinanzierung eines Darlehens über 150.000 Euro mit zwei Prozent Tilgung, 80 Prozent Beleihungsauslauf und zehn Jahren Zinsbindung. Im August sinkt sie auf rekordniedrige 379 Euro – minus 2 Prozent im Vergleich zum Vormonat und rund 4 Prozent oder 15 Euro weniger als vor einem Jahr.

Anhand des Dr. Klein Trendindikators Baufinanzierung (DTB) berichtet Michael Neumann, Vorstandsvorsitzender der Dr. Klein Privatkunden AG, über aktuelle Entwicklungen bei Baufinanzierungen in Deutschland: 

„Einige Anzeichen sprechen dafür, dass wir in absehbarer Zeit keine nachhaltige Steigerung des Zinsniveaus sehen werden, zumal nicht mit einem baldigen Ende der Pandemie und ihrer wirtschaftlichen Folgen zu rechnen ist. Das spiegelt auch die zurzeit ausgesprochen geringe Nachfrage nach Forward-Darlehen wider, die gegen einen Aufschlag das jetzige Angebot für die Zukunft sichern: Im August pendeln sie sich auf einem niedrigen Niveau ein und machen nur 5,5 Prozent des Gesamtvolumens aus. Dennoch sind kurzfristige Schwankungen möglich und für Immobilienbesitzer, die sich frühzeitig eine günstige Anschlussfinanzierung sichern möchten, können Forward-Darlehen eine gute Möglichkeit sein. Klassische Annuitätendarlehen ohne Aufschlag bleiben bei einem Anteil von über 82 Prozent.“

Hohe Darlehensbeträge erfordern solide Finanzierungspläne

Mit rund 290.000 Euro nehmen private Käufer und Hausbauer nach wie vor viel Geld für ihre Immobilie auf. Zum Vergleich: Im August letzten Jahres betrug die durchschnittliche Darlehenshöhe noch 262.000 Euro, vor zwei Jahren waren es 230.000 Euro. „Um das Darlehen zügig und mit einer soliden Finanzierungsplanung zurückzuzahlen, tilgen Käufer und Bauherren mit anfänglichen 2,8 Prozent – und damit so hoch wie im Vormonat. Mit einer Zinsbindung von durchschnittlich 13 Jahren und 9 Monaten entscheiden sie sich für einen langen Zeitraum für die Tilgung, bevor die Anschlussfinanzierung ansteht. Diese Dauer gilt aber nicht unwiderruflich: Nach 10 Jahren können Darlehensnehmer einseitig ein Sonderkündigungsrecht in Anspruch nehmen und den Kredit schon vor Ablauf dieser Zinsfestschreibung umschulden.“

Beleihungsauslauf sinkt

Der Beleihungsauslauf geht im August um 1 Prozent leicht zurück und beträgt im Schnitt 84,44 Prozent. Mit Ausnahme der „Corona-Monate“ März und April bewegt sich der Wert seit Anfang 2019 zwischen 83,3 und 84,95 Prozent. Bei steigenden Immobilienpreisen und Darlehenshöhen bedeutet das gleichzeitig einen wachsenden Anteil an Eigenkapital, unter anderem für die Kaufnebenkosten. Der DTB zeigt die monatliche Entwicklung der wichtigsten Parameter einer Baufinanzierung. Dazu zählt neben der Darlehenshöhe, dem Tilgungssatz und dem Beleihungsauslauf auch die Verteilung der Darlehensarten. Die Standardrate gibt zudem an, wie viel ein durchschnittliches Darlehen von 150.000 EUR an monatlicher Rate kostet.